Holzöl – Holzimprägnierung – Holzpolitur

Speiseöl verliert mit der Zeit an Aroma oder entwickelt sogar einen unangenehmen Beigeschmack. Der Grund: Es ist zu alt und beginnt, ranzig zu werden.
Ranzig wird Speiseöl durch Oxidation, wenn Luftsauerstoff mit den Doppelbindungen ungesättigter Fettsäuren reagiert. Je höher der Anteil an ungesättigten Fettsäuren ist, desto schneller wird ein Öl ranzig.

härtende Öle, schnell trocknende Öle, Hartwachsöle

Haben eine Iodzahl von mehr als 130 bis 140 (170?).

Sind für Holzpflege geeignet. Besonders hoher Anteil an ungesättigten Fettsäuren die leicht mit Sauerstoff oxidieren (wodurch sie auch schnell ranzig werden) und anschliessend durch Vernetzung der Fettsäuren aushärten. Man spricht von Verharzung. Diese Öle sind für die Holzbehandlung geeignet (Möbelpolitur).

Leinöl (Iodzahl 175 – 200) oder Leinölfirnis (Achtung: selbstentzündlich!)
Walnussöl (Iodzahl 141 – 155, vergilbt weniger als Leinöl)
Mohnöl (Iodzahl 133 – 145)
Hanföl (Iodzahl 148 – 167)
Wildrosenöl (Iodzahl 152 – 176)
Lebertran (Iodzahl 140 – 180)
Leinsamenöl (Iodzahl 180 – 190)
Granatapfelsamenöl (Iodzahl 210 – 250)
Johannisbeersamenöl (Iodzahl 160 – 175)
Preiselbeersamenöl (Iodzahl 160 – 180)
Sacha Inchi-Öl (Iodzahl 192 – 199)

halbtrocknende Öle, langsam trocknende Öle

Haben eine Iodzahl von 100 bis 130-140 (170?).

Können mit der Zeit einen ranzigen Geruch entwickeln, daher eher für den Aussenbereich verwenden.

Sonnenblumenöl (Iodzahl 118 – 150, vergilbt weniger als Leinöl, Lacken, Farben, Firnisse)
Rapsöl (Iodzahl 94 – 126)
Sojaöl (Iodzahl 120 – 141)
Sesamöl (Iodzahl 103 – 118)
Baumwollsamenöl (Iodzahl 97 – 118)
Maisöl (Iodzahl 109 – 133)
Distelöl (Iodzahl 138 – 152)
Traubenkernöl (Iodzahl 134 – 144)
Fischöl (Iodzahl 120 – 206)
Kürbiskernöl (Iodzahl 117 – 130)
Baobaböl (Iodzahl 130 – 150)
Nachtkerzenöl (Iodzahl 145 – 162)
Reiskeimöl (Iodzahl 92 – 115)
Sanddorn-Kernöl (Iodzahl 160)
Schwarzkümmelöl (Iodzahl 115 – 130)
Weizenkeimöl (Iodzahl 120 – 132)

nicht trocknende Öle (nicht komplett aushärtend)

Haben ein Iodzahl von unter 100.

Sind geeignet für die Lederpflege. Hartwachsöle machen Leder spröde!

Haselnussöl (Iodzahl 84 – 95)
Olivenöl (Iodzahl 76 – 90)
Kokosöl (Iodzahl 7 – 10, imprägnierend und keimtötend, verhindert so Schimmel)
Erdnussöl (Iodzahl 85 – 100)
Mandelöl (Iodzahl 93 – 105)
Palmkernöl (Iodzahl 44 – 58)
Avocadoöl (Iodzahl 65 – 95)
Rindertalg (Iodzahl 32 – 37)
Kakaobutter (Iodzahl 33 – 42)
Sheabutter (Iodzahl 47 – 78)
Sheanussöl (Iodzahl 75 – 90)
Butterfett (Iodzahl 30 – 43)
Schweineschmalz (Iodzahl 50 – 70)
Bienenwachs (Iodzahl < 10)
Amaranthöl (Iodzahl 78 – 90)
Aprikosenkernöl (Iodzahl 90 – 115)
Arganöl (Iodzahl 95 – 105
Avellanaöl (Iodzahl 87)
Babassuöl (Iodzahl 14 – 20)
Brokkolisamenöl (Iodzahl 90 – 120)
Cupuaçubutter (Iodzahl 40 – 50)
Jojobaöl (Iodzahl 80 – 88)
Kameliensamenöl (Iodzahl 83-89)
Macadamianussöl (Iodzahl 70 – 80)
Mangobutter (Iodzahl 40 – 54)
Marulaöl (Iodzahl 64 – 76)
Sanddorn-Fruchtfleischöl (Iodzahl 60 – 70)
Squalan (Iodzahl 1 – 2.7)
Wiesenschaumkrautöl (Iodzahl 85 – 105)

Farbe/Lasur: Eitempera

Eitempera ergibt eine Matte Oberfläche. Nach Abreiben mit Tuch wird es seidenmatt.

Zwei Arbeitsschritte:

  1. Streichen
  2. nach der oberflächlichen Trocknung nochmal abreiben (Handtuch), damit lassen sich Fehlstellen korrigieren. Bei 7°C nach 1 bis 5 Tagen, nach einer Woche wischfest, Bei Zimmertemperatur nach 1 bis 2 Tagen verreiben und nach 4 Tagen wischfest. Leinölfirnis oxidieren dauert bei 20°C bis zu 6 Wochen

⅓ Eigelb + ⅓ Leinölfirnis + ⅓ Wasser (in dieser Reihenfolge)

Wichtig: Mit Leinöl getränkte Pinsel und Textilien bitte immer sicher aufbewahren, Hinweise zum Brandschutz sorgfältig beachten und Lappen oder Pinsel nach Gebrauch sicher lagern bzw. kontrolliert verbrennen – denn Leinöl kann sich selbst entzünden!

Walnussschalen-Beize

Schale von 20 Walnüssen mit 0.5 Liter Wasser und 15 Gramm Pottasche (Kaliumcarbonat) aufkochen. Je länger aufgekocht wird, je dunkler wird die Farbe.
Mit der fertigen Beize wird nun das Holz bestrichen. Wichtig: überflüssige Tinktur mit einem Tuch vom Holz abwischen, da es sonst zu Flecken kommt.
Anschliessend mit Bienen- oder Carnaubawachs schützen (Orangen- oder Zitronenschalen für Aroma).

Holzlasur aufbringen

  1. Holz mit 180, besser 240 Körnung in Maserrichtung anschleifen
  2. Lasur mit Flachpinsel in Maserrichtung auftragen
  3. Nach Antrocknen (über Nacht) erfolgt ein Zwischenschliff
  4. Mit Wachspolierbürse auspolieren

Holz-Beizen

  • Halbe Tasse weisser Essig und Stück Stahlwolle
  • Halbe Tasse Balsamico-Essig und ein Stück Stahlwolle
  • Halbe Tasse Apfelessig und ein Stück Stahlwolle
  • Halbe Tasse weisser Essig und eine Handvoll rostige Nägel
  • Eine Schachtel Teebeutel (schwarzer oder grüner Tee)
  • Eine Tasse Kaffeepulver

Möbelwachs-Rezepturen

  • Bienemwachs-Kokosöl-Möbelwachs: 100 g Kokosöl und 30 g Bienenwachs im Wasserbad schmelzen und verrühren.
  • Erdnussöl-Bienenwachs: 2 zu 1.
  • Holzpolitur: (Apfel-)Essig und Öl 1 : 1 (eignet sich besonders gut um Wasserflecken zu entfernen. Für dunkles Holz kann Balsamico verwendet werden.
  • Für Eichenholz: Bier (helles erwärmtes Bier feucht abwischen).
  • Bierlasur: 15 g Pigmente auf 85 g Bier, muss mit Schutzlack versehen werden, da wasserlöslich.
  • 40 g Bienenwachs + 100 g Nussöl.
  • 200 ml Leinöl oder besser Leinölfirnis + ca. 10 g farblich passendes Pigment (z.B. Umbra).

Leder-Schuhcrème

50 ml Olivenöl, Rapsöl oder Hanföl
40 g Lanolin (Wollwachs, Apotheke)
10 g Bienenwachs (Imker)

Bienenwachs im Wasserbad langsam schmelzen. Restliche Zutaten hinzufügen und umrühren bis sich alles gelöst hat. In Crèmedose abfüllen.

Weiterführende Links und Quellen

Biologisches Holzöl-Hartwachsöl selber herstellen
Bienenwachs Möbelpolitur für Holz selber herstellen
Holz-Beize selbst herstellen
Pflanzenöle
Trocknende Öle und Fette
Fette und Öle
Iodzahl

Fachbegriffe

Lasur … bezeichnet eine transparente oder semitransparente Beschichtung auf Holz, Leinwand, Karton oder Papier sowie einen dünnen Aufstrich aus lichtdurchlässigen Anstrichmitteln.

Lasur

Unter Beizen versteht man in der Holzbearbeitung die Behandlung der Oberfläche mit einer Beize. Ziel der Beizung ist in erster Linie die Veränderung des Farbtones, allerdings kann diese auch zum Schutz der Oberfläche gegen Schimmel dienen.

Beizen

Firnis ist ein klarer Anstrich, der aus in Lösemittel gelöstem Bindemittel besteht. Er kann aus ästhetischen Gründen oder als Schutzanstrich als letzte Schicht auf eine Malerei aufgetragen werden.

Firnis

Holzöl selber hergestellt

Heute hatte ich eine kreative Phase. Andere würden sagen, ich war demotiviert zum arbeiten… Daher habe ich mir mein Holzöl für den Tarp-Leinenspanner hergestellt:

50 g Kokosfett im warmen Wasserbad geschmolzen, 30 g Bienenwachs dazugegeben und mit Holzlöffel gerührt bis aufgelöst. Anschliessend 5 Tropfen ätherisches Patschuli-Öl dazugegeben und nochmals gerührt.

Das ganze gab ein goldfarbene Flüssigkeit:

Nach dem Abkühlen war es ein milchig-gelbes Fett:

Der Leinenspanner sieht schon besser aus wenn er imprägniert ist. Vorher:

und nachher:

Leinenspanner für Tarp selber bauen

Ich habe seit langer Zeit ein Tarp, welches ich nie fertig gefittet habe. Die Leinen haben gefehlt und somit ist es eigentlich noch nutzlos. Jetzt wo das Jahr regnerischer und nässer wird, ist es an der Zeit auch dieses Tarp fertig zu machen.

Die Leinen habe ich bei AliExpress (Stichwort: guy line) bestellt. Leider sind sie nicht elastisch, was noch ein kleines bisschen besser wäre. Eventuell baue ich später noch einen Gummizug dazu. Am Ende unserer letzten Expedition (2019) haben wir ein altes Zelt abgewrackt und ich habe alles rausgeschnitten, was mit noch irgendwie nützlich schien. Dies kam mir jetzt zu gute. Ich habe aus dieser Aktion noch 5 Seilspanner. Aber für das Tarp will/brauche ich 6. Was nun? Bestellen und warten oder selber bauen? Ich habe mich für letzteres entschieden. Zuerst wollte ich den Leinenspanner in Alu bauen. Habe ich aber nicht zur Hand. Dann ist mir die Idee gekommen, ich könnte ihn aus Holz machen. Ein Stück Berberitze habe ich noch auf der Holzbeige für das Grillholz gefunden:

Das harte Holz wird für Einlege- und Drechselarbeiten verwendet.

Wikipedia

Das sollte eigentlich genau richtig sein. Nach etwas sägen, bohren und schleifen war der Leinenspanner dann fertig:

Das Bohrloch ist 5 mm. Mit der eingefädelten Leine sieht der Leinenspanner dann so aus:

Und das ganze Set mit Tarp, Spannleine, Leinenspanner und Spannleinenhalter so:

Wenn ich dazu komme, will ich ihn noch mit einem selbstgebrauten Holzwachs oder -öl behandeln…

Wanderpaddeln auf der Elbe/Labe von Děčín nach Magdeburg

Da unsere Sibirien-Tour Corona bedingt ins Wasser gefallen ist, musste schnell ein Plan B her. Wir haben uns kurzfristig für die Elbe/Labe entschieden. Orientiert haben wir uns am Jübermann TourenAtlas TA7, Elbe 1, Rad- und Wasserwanderatlas Elbsandsteingebirge bis Magdeburg, welcher uns gute Dienste geleistet hat.

Achtung: Unbedingt vorher die Updates herunterladen, da viele Telefonnummern nicht mehr gültig sind!!!

Hier ein kurzes Fahrtenprotokoll:

Sonntag, 9. August: Anreise zum Zeltplatz Děčín, dem Beginn unserer Reise. Zentral gelegen, sehr netter Empfang, entspannte Bedingungen aber etwas viel Verkehrslärm da direkt unter der Hauptstrasse und an einer Güterzugstrecke gelegen. Restaurant in der Nähe des Campings war OK. Bedienung im Restaurant am ersten Tag nett und zuvorkommend (Sonntag) am Montag liess sie dann zu wünschen übrig. Zugang zum Fluss durch Tor im Campinggelände oder Fluss aufwärts gleich neben dem Gelände. Ca. 100 m bis zum Fluss.

Montag, 10. August: Auto nach Magdeburg umstellen. Einkaufen im Lidl und Dorfmarkt auf der anderen Flussseite.

Dienstag, 11. August: Abfahrt 8:15, einige Touristenschiffe, 13:00 Ankunft am Ferdinands Homestay in Königstein/Strand, ca. 32 km, Ø 8 km/h . Sehr netter Empfang und entspannt. Znacht: Hörnli mit Tomatensosse.

Mittwoch, 12. August: Drachenbootverein Am Blauen Wunder in Dresden. Sehr nette Aufnahme. Platz für wenig Zelte. Massenlager vorhanden. 9:30 – 14:30, 3.5 h, ca. 29 km, Ø 8 km/h.

Donnerstag, 13. August: Stadtbesichtigung Dresden.

Freitag, 14. August: 7:45 – 12:30, ca. 4 h, 32 km, Ø 8 km/h Sportgemeinschaft Kanu Meissen. Sehr netter Empfang, Stadt Meissen besichtigt. Znacht: Hörnlisalat mit Steak.

Samstag, 15. August: Riesa 25 km, Riesaer Wassersportverein, 8:15 – 12:00, ca. 3 h, Ø 8 km/h. Ab Dresden viele Wildcampierer. Elbe ist zwar ein UNESCO Biospärenreservat, wild campieren wird aber, gemäss Einheimischer, geduldet, wenn kein offenes Feuer gemacht und kein Müll zurückgelassen wird.

Sonntag, 16. August: Torgau, Torgauer Kanu Club, 48 km, 5h 45′, Ø 8 km/h.

Montag, 17. August: km 200, Elster, Kanuverein Harmonie Elster, 45 km, sehr netter Empfang, schöner Platz.

Dienstag, 18. August: km 236, Kanu-Verein Coswig, 36 km, sehr schöner Platz.

Mittwoch, 19. August: Dessau, km 261, Junkers Paddelgemeinschaft, 25 km.

Donnerstag, 20. August: Barby, km 291, SSV Blau-Weiss 04 Barby, 30 km.

Freitag, 21. August: Campingplatz Wassersportverein Buchau – Fermersleben/Magdeburg, km 322, 31 km.

Ein Bootswagen ist sehr empfehlenswert, da die Zeltplätze hoch über dem Wasser, und manchmal einige Meter vom Fluss entfernt liegen oder die Gelände entsprechend gross sind.

Kanutour auf dem Doubs

Dieses Jahr haben wir seit längerem wieder mal eine Tour auf den Doubs gemacht.

Der Plan

Der ursprüngliche Plan war in 3 Etappen von Goumois über Soubey und Tariche nach Ocourt-Village oder Ocourt-Camping Moulin du Doubs zu gelangen.

Leider haben uns mühsame und möglicherweise unsinnige Massnahmen des Bundes, das ganze etwas erschwert. Alle Camping- und Zeltplätze haben uns abgesagt oder wollten uns nicht haben.

Die Ausführung

Dank einer Luftaufnahme habe ich einen interessanten Platz entdeckt. Der entsprechende Bauer war schnell gefunden und wir waren uns auch einig, dass wir bei ihm übernachten können.

Leider war das Ganze ein riesen Flopp. Es war schmutzig und vergammelt und teilweise sogar gefährlich. Zum Glück konnten wir für Sonntag und Montag auf ein Appartement des Campings Le Chandelier in St. Ursanne zurückgreifen. Der Wirt war nett, die Zimmer sauber, komfortabel und preiswert.

Da die Grenze noch immer gesperrt war und man uns mitgeteilt hat, dass bei einem Grenzübertritt Bussen von CHF 100.- pro Person verteilt würden, haben wir uns dann auf „nur“ 2 Etappen beschränkt: Am ersten Tag sind wird von der Grenze beim Restaurant Clairbief bis zum Restaurant Tariche gefahren. Hier hat uns die sehr freundliche Patronne erlaubt, unsere Boote über Nacht an ihrem Gartenzaun zu stapeln.

Am zweiten Tag sind wir dann vom Restaurant Tariche über St. Ursanne bis nach nach Chamesat gefahren, wo wir am linken Ufer ausgebootet haben.

Auf dem zweiten Teil haben wir zahlreiche Eisvögel sowie zwei Schlangen (Rigelnattern?) gesichtet.

Der Pegel

Ein weiteres Problem war der Pegel des Doubs. Der Doubs darf von März bis September von 10 bis 18 Uhr befahren werden. Aber nur bei einem Pegel von 6.0 m³ und mehr gemessen um 17 Uhr des Vortages. Dies gilt dann für den ganzen nächsten Tag. Diese Regelung wurde durch den SKV mit den lokalen Behörden und Fischern ausgehandelt und sollte unbedingt eingehalten werden.

Das Telefon für die Pegelmeldung funktioniert übrigens nicht. Mein Mail an den SKV hat zwar eine Antwort seitens SKV bewirkt, aber keine Besserung.

Relevant ist Pegel Nr. 2210 Doubs – Ocourt.

Wir hatten Glück. Der Pegel ist immer um 6.0 bis 6.1 m³ geschwankt. Somit durften wir fahren. Man hat uns auch gesagt, dass der Pegel durch das Kraftwerk weiter oben reguliert sei und dass sie den Pegel meist bei 6 m³ halten.

Der Pegel ist das ein, aber die Fahrbarkeit des Flusses das andere. Bei einem Pegel von 6 m³ ist es schon sehr knapp. Und man hat ab und zu eine Grundberührung. Aber mit etwas Geschick musste man nie aussteigen.

Die Schlüsselstelle

Die einzige Stelle, welche bei diesem Pegel, ein ernsthaftes Problem darstellt, sind die Soubey-Schnellen. Verursacht durch eine Hangrutschung, wahrscheinlich neueren Datums, da man noch die alten Wege sieht. Die Soubey-Schnellen sind ein Katarakt, ca. WW III und etwas verblockt. Aber bei diesem Wasserstand gut fahrbar und nicht sonderlich gefährlich. Bei einem höheren Pegel sollen sich Walzen bilden, denen man besser aus dem Weg geht. Nach dem ersten Drittel gibt es eine ruhigere Stelle, wo man sich nochmals sammeln kann. Und nach dem Ende der Schnellen hat es ein Pool, wo man wieder alles einsammeln kann.

Fürs nächste Mal

Start auf dem Camping des Canoë Club Jura. Zweite Nacht: Camping du Bout du Pont. Dritte Nacht: Centre de Vacances Tariche. Ausbooten beim Camping Moulin du Doubs in Ocourt oder in Ocourt village.

Vorurteile und Gerüchte

Einige meiner Kollegen haben etwas gegen die Jurassier (wahrscheinlich das typische Verhalten von ex-Kolonialisten?) und gegen Fischer.

Mit den Jurassieren habe ich nur gute Erfahrung gemacht. Sie waren überaus freundliche, hilfsbereit und zuvorkommend! Ich kann dieses Gebiet also insofern nur empfehlen!

Zu den Fischern: Es gibt bei allen Bevölkerungsgruppen Idioten. Die meisten Fischer haben freundlich gegrüsst. Nur 2 oder 3 haben sich verbal ausgelassen, obwohl wir uns mühe gegeben haben, sie möglichst wenig zu stören. Aber diejenigen, die sich negativ geäussert haben waren allesamt „fremde Fötzel“, also Auswärtige und keine Jurassier! Und falls ein Fischer mal wieder Steine schmeisst, müsste man ihn vielleicht anzeigen. Das spricht sich dann rum in der Szene…

Hull Identification Number

Wie alt ist mein Boot? Dies kann anhand der Boots(Serien)-Nummer ermittelt werden.

Heutzutage verwendet man dazu die Hull Identification Number (HIN). Hull kommt aus dem englischen und bedeutet: Rumpf, Schiffskörper, Bootshaut.

Die europäische HIN ist genormt nach EN/ISO 10087:2006 (ToC) und wurde erneuert in der Norm ISO 10087:2019. Vor dem Jahr 2006 scheint es hier also noch keinen Standard gegeben zu haben.

Beispiel eine neuen Grabner Seriennummer: HIN: AT-GRA 12094 J4 05

  • HIN – Es handelt sich hier um eine Hull ID Number.
  • AT – 2 Buchstaben Ländercode nach ISO 3166-1.
  • GRA – Hersteller-Kürzel für Grabner
  • 12094 – Hersteller-Nummer
  • J4 – Baujahr (J = 10) Oktober 2004 (Jahr der „Kiellegung“)
  • 05 – Modelljahr 2005

Ältere Grabner Boote haben noch kein HIN sondern eine Nummer bestehend aus Serien-Nummer und Baujahr. Das sieht dann in etwa wie folgt aus:

Serien-Nr. / Baujahr: 0792 9700

Mit grosser Wahrscheinlichkeit wurde dieses Boot im Juli 1992 gebaut und hat die Seriennummer 9700.

Mit etwas Intelligence Arbeit könnte man jetzt wahrscheinlich herausfinden, wie viele Boote von welchem Typ Grabner pro Jahr baut:

0792 9700 Outside
0694 1810 Adventure
0803 4066

AT-GRA 07200 J8 99
AT-GRA 12094 J4 05 Adventure Eco
AT-GRA 01270 K4 05 Holiday 2
AT-GRA 15011 A7 07 Outside
AT-GRA 09506 C9 09 Jump
AT-GRA 07009 I9 10 Amigo
AT-GRA 01675 H4 15 Holiday 2
AT-GRA 14468 K7 17
AT-GRA 11155 F8 18 Adventure
AT-GRA 18271 A8 18 XR Trekking

Zum Beispiel: Von Juli 1992 bis Januar 2007 wurden 5311 Outsides hergestellt. Oder: Von November 2004 bis August 2014 wurden 405 Holiday 2 hergestellt.

Um das ganze zu validieren müsste man jetzt natürlich noch wesentlich mehr Messpunkte haben…

Luftpumpen für Grabner Boote

Bis jetzt hatte ich „nur“ einen Grabner Adventure Economy mit einer dazu gehörenden grauen Luftpumpe. Hersteller der Luftpumpe war keiner vermerkt. Es war nur ein Grabner-Kleber drauf. Irgendwo ganz klein stand noch drauf „Made in Italy“.

Der Adapter der Luftpumpe passt auf die „neuen“ Grabner-Ventile, welche ab ca. 1996 eingesetzt werden:

Wahrscheinlich sind die neuen Ventile von hier: Bravo 20xx Inflation valves.

Jetzt konnte ich es mir aber nicht verkneifen, noch einen Grabner Outside zu kaufen. Dieser hat aber noch die „alten“ Ventile, die Standard Schraubventile (28 mm Ø mit Feingewinde) also vor 1997 drin:

Irgendwie sind mir die alten Ventile total sympathisch, weil total einfach, wenn man mal begriffen hat, wie sie funktionieren. Da kann fast nichts kaputt gehen und reinigen kann man sie auch relativ einfach, auch in der Wildnis.

Das neue Boot muss ja sofort nach dem Kauf getestet werden um allfällige Schäden oder gar Löcher vor der ersten Tour zu kennen. Achtung: Die alten Outsides scheinen nur für eine Druck von 0.25 bar ausgelegt zu sein und nicht 0.3 bar wie die neuen!
Nur, der Adapter für die neuen Ventile passt leider nicht so richtig:

Und an der Pumpe für das „neue“ Boot mit den „alten“ Ventilen war leider kein Adapter dran. So habe ich mir halt mit einem Gummi geholfen, was so halbwegs funktioniert hat:

Fummeln in diese Richtung scheint zu gehen, ist aber auch nicht das Gelbe vom Ei:

Jetzt wäre aber die spannende Frage, wie sieht denn der „richtige“ Adapter aus. Und welche Masse braucht der (ca. 20.8 mm Ø gemessen) und woher kriege ich den und wer ist denn überhaupt der Lieferant. Das führt zu einem Markennamen namens Bravo 6. Ich habe aber eine ganze Weile nicht herausgefunden, wer die herstellt. Bis ich schlussendlich auf die italienische Firma Scoprega S.p.A. in der Nähe von Milano gestossen bin. Und die machen genau dieses Zeug zusammen mit einer chinesischen Firma namens Ningbo Bravo Manufacturing of Inflators and Accessories Co. Ltd. Aber irgendwie sind die nicht mehr auffindbar (Fehler 404).

Was jetzt genau die finale Lösung ist, weiss ich noch nicht genau. Aber es wird wohl auf den Artikel: Item: SP 13, Part Number: R151013, Description: BRAVO 6 / BRAVO 6M / BRAVO 6 MIL / BRAVO 12 hinauslaufen…

Nachtrag

Die „neuen“ Grabner Flachventile heissen möglicherweise korrekt: Halkey-Roberts Ventil (H-R Ventil).

Nur der Boden ist für einen Druck von 0.25 bar ausgelegt. Die Seiten für einen Druck von 0.3 bar.

Wiesen und Wälder – in der Schweiz gilt ebenfalls Jedermannsrecht

Kürzlich (April) bin ich mit einem Bauer aneinander geraten, der mir verbieten wollte über seine Wiese zu laufen. Wie komme ich dazu? Schliesslich hat man mir als kleiner Junge schon beigebracht, dass man dem Bauern nicht über die Wiese latscht, weil das dem Gras nicht gut tut! Diese Wiese war ein Feldweg, den seine Kühe benutzen um vom Stall zur etwa 500 Meter weit entfernten Weide zu gelangen. Wenn unsere superschweren Kühe diesen Weg des öfteren begehen, kann man sich in etwa vorstellen, wie der ausgesehen hat. Es war also echt mühsam dort zu gehen und ich bin sozusagen von Hügel zu Hügel gehüpft. Wiese gab es in diesem Sumpf jedenfalls nur relativ spärlich. Also meines Erachtens ist der Schaden den ich verursacht habe bei Null.
Der Bauer hatte also nichts anderes zu tun, als in seinen Jeep zu steigen, um die ganze Wiese herum zu fahren und mir auf der anderen Seite den Weg abzuscheiden. Wir haben dann ca. 10 Minuten heftig diskutiert bis er mich gehen liess.

Hier ein kleiner Ausschnitt, wo sich das ganze abgespielt hat:

Das hat mir dann keine Ruhe gelassen und zuhause habe ich die Suchmaschine meiner Wahl angeworfen und bin dann zu diesem Thema auch recht schnell fündig geworden:

Hierbei relevant ist das Schweizerische Zivilgesetzbuch (ZGB): IV. Recht auf Zutritt und Abwehr, 1. Zutritt:

Art. 699
1 Das Betreten von Wald und Weide und die Aneignung wildwachsender Beeren, Pilze u. dgl. sind in ortsüblichem Umfange jedermann gestattet, soweit nicht im Interesse der Kulturen seitens der zuständigen Behörde einzelne bestimmt umgrenzte Verbote erlassen werden.

ZGB Art. 699, Abs. 1

Und wer es selber im Original nachlesen will: Schweizerisches Zivilgesetzbuch Art. 699

Es gilt also das Jedermannszutrittsrecht (auch Jedermannsrecht, wie es in Schottland, Norwegen, Schweden und Finnland heisst). Da ich also keinen Schaden an Kulturen verursacht und alle Weidezäune ordentlich und sachgerecht wieder geschlossen habe, hätte der Bauer mir das nicht verbieten dürfen.

Dieser Meinung sind übrigens auch WaldSchweiz und der St. Galler Bauernverband. Vom Zürcher Bauernverband habe ich dazu auf die Schnelle kein Statement gefunden.

Bei unserer Diskussion haben seine ca. 20 Kühe übrigens interessiert zugehört und zugeschaut… Und sie standen alle auf meiner Seite (des Zauns)! 🙂

Campieren und Zelten

Und wenn wir schon dabei sind, wie sieht es denn aus mit Campieren und Zelten in der Schweiz? Hierzu möchte ich auf den SAC (Schweizerischer Alpen Club) verweisen, der zu diesem Thema eine Broschüre verfasst hat:

Campieren und Biwakieren in den Schweizer Bergen – mit Rücksicht auf Natur und Umwelt

Er bezieht sich ebenfalls auf ZGB Art. 699:

Die rechtliche Lage in der Schweiz ist nicht einheitlich. Grundsätzlich sind gemäss Zivilgesetzbuch Wald und Weide jedermann zugänglich. Je nach Kanton oder Gemeinde können jedoch Einschränkungen gelten. Zudem ist freies Campieren in gewissen Schutzgebieten ausdrücklich verboten oder aufgrund von Betretungsverboten nicht möglich. Dazu gehören der Schweizerische Nationalpark, die eidgenössischen Jagdbanngebiete, viele Naturschutzgebiete und die Wildruhezonen (während der Schutzzeit). Ansonsten ist eine einzelne Übernachtung einer kleinen Anzahl Personen im Gebirge oberhalb der Waldgrenze aber meist unproblematisch – wenn sie rücksichtsvoll erfolgt.

Broschüre SAC: Campieren und Biwakieren in den Schweizer Bergen

Siehe auch: Karte der Schutzgebiete der Schweiz

Zu beachten wären hier noch kantonale oder kommunale Regelungen (Konferenz der Kantonalen Geoinformations­stellen).

Gerüchteweise soll es im Kanton Tessin und Graubünden generell verboten sein, wild zu zelten. Wenn man aber mit Ortsansässigen und Jägern spricht haben die nur mit den Schultern gezuckt und gemeint, davon wüssten Sie nichts…

Hierzu habe ich noch die, wahrscheinlich unvollständige, Biwakieren Verbotsliste gefunden.

Nachtrag

Im K-Tipp Nr. 12 vom Juni 2020 ist noch folgender Artikel erschienen: Gratis-Unterkunft in der freien Natur

Reko-Tour Linth

Nach langem Suchen habe ich zwei Opfer gefunden, die mit mir die Linth erkunden gefahren sind. Eigentlich wäre die Linth ein wunderschönes leichtes Wildwasser (WW II-III), wenn da nicht die vielen Wehre wären.

Wir sind bei perfektem Frühlingswetter und einem Pegel von ca. 25 bis 27 m³ gefahren. Nach den Wehren war der Wasserstand zu niedrig, so dass wir öfters die Boote ziehen mussten.

Pegel Mollis
Pegel Wesen

Einstieg zwischen 11:30 und 12:00 beim Bahnhof Schwanden, gerade oberhalb der Hauptstrasse über die Böschung runter.

Bahnhof Schwanden

Wehr 1 kann links über Fischtreppe befahren werden. Erste Stufe habe ich getreidelt. Ruedi ist alles gefahren.

Wehr 2 links umworfen.

Wehr 3 links umworfen.

Dieses Wehr war fast das heimtückischste. Auf den ersten Blick hätten man denken können es sei fahrbar. Zudem hat es keinen grossen Staubereich. Anlanden auf der Kiesbank links. Treideln.

Wehr 5 rechts umworfen und umklettert.

Dieses alte Wehr ist praktisch vollständig aufgefüllt. Rechts problemlos fahrbar links mit etwas Geholper…

Wehr 8 links umworfen und überklettert. Auf Wehrkrone ausgestiegen.

Wehr 9 links umtragen. Hat bei der Betonmauer einen Tritt. Sonst 20 Meter flussaufwärts relativ flaches Ufer.

Wehr 10 rechts beim Bächlein ausgebotet. Wehr rechts umtragen bis zum Weg, der an den Fluss zurück führt. Hier hatten wir einen guten halben Meter Sunk und sie haben das Wehr gerade wieder zu gemacht, als wir gekommen sind. Das umgekehrte hätte wahrscheinlich auch passieren können…

Alters Wehr beim Flughafen Mollis. Kann befahren werden. Hat aber links und rechts zwei Löcher mit Rücklauf. Man sollte also einigermassen die Linie treffen. Links über Wehr umtragen. Es hat recht viel Zug kurz vor dem Wehr vom Wehr weg in den Fluss. Sicheres anlanden nötig. Es hat nicht allzu viel Platz. Mehr als 2 Kanus wird sehr knapp.

Bei einem höheren Pegel könnte es vor den Wehren ev. etwas knapp mit Staubreich werden.

Luftaufnahmen: SWISSIMAGE Zeitreise

Weitere Beschreibungen auf: Rivermap

Reko-Tour Hinterrhein

Christoph und ich sind heute auf den Hinterrhein zur Reko-Tour aufgebrochen. Mit dem Zug sind wir bis Thusis gefahren und dann am Campingplatz vorbei runter zur Albula, wo wir eingestiegen sind. Fussmarsch ca. 20 min (1.5 km).

Wir sind ca. 11:15 losgefahren, also ein knappe halbe Stunde nachdem der Pegel Thusis von 80 m³ auf 12 m³ gefallen ist. Beim einstieg war noch alles tropfnass und man hat gut gesehen, dass das Wasser kurz vorher noch ca. einen halben Meter höher gestanden hat.

Beim Pegel von 12 m³ ist der Hinterrhein knapp fahrbar. Bietet aber bis Rothenbrunnen die Herausforderung, dass man immer wieder links und rechts bis knapp unter die Wasseroberfläche reichenden Steinen ausweisen muss.

Beim grossen Blockwehr haben wir links umtreidelt. Zum Glück hatte ich zwei 10 Meter lange Seile dabei. Man hätte auch rechts die 6 Meter hohe Böschung hochkrabbeln und dann 100 Meter weiter unten wieder runterkrabbeln können. Das Befahren des Blockwehrs hätte bei diesem Pegel mit grosser Wahrscheinlichkeit in einer Kenterung geendet.

Nach dem Blockwehr hatte es genügend Wasser und jetzt hat es richtig angefangen Spass zu machen.

Das Gebiet der Isla Bella ist, wie der Name sagt wunderschön.

Und erstaunlicherweise steht das Gebiet nicht unter Naturschutz.

Die darauf folgende Schlucht beeindruckte mich durch ihre Steilheit ohne spezielle Schwierigkeiten. Bis Thusis leichtes Wildwasser 1 bis 2.

Das nächste mal ev. bereits in Cazis aussteigen um den Weg von ca. 1.5 km auf 1 km abzukürzen.